Das Land

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Problematik der Bildung

Auch genau wegen diesem Mangel guter beruflicher Aussicht schicken malawische Familien erkennbar selten ihre Kinder dauerhaft zur Schule: Zwar verpflichtet das Gesetz eigentlich zum Besuch der achtjährigen Grundschule (das wird häufig nicht eingehalten: lediglich ca. 42% der Kinder erreichen die fünfte Klasse¹), aber erst die kostspielige Ausbildung an einer Secondary School, einer weiterführenden Schule, bringt die jungen Menschen zu einem brauchbaren Schulabschluss (etwa 26% der Malawier haben eine Secondary School besucht, davon ca. 27% erfolgreich abgeschlossen²).

Der Gemüsegarten der Chaminade Secondary School
Der Gemüsegarten der Chaminade Secondary School: In Malawi sind oftmals auch Schulen landwirtschaftlich tätig, um zusätzliches Geld zu verdienen.

Mit dieser Investition jedoch ist die Zukunft noch nicht gesichert: In Malawi werden die Gebildeten nur in geringer Zahl gebraucht und müssen dann entweder in die gewöhnliche landwirtschaftliche Arbeit in der Familie zurückkehren, wodurch die Schulbildung überflüssig und damit rückblickend zu einer Geldverschwendung würde, oder in einem weiter entwickelten Land nach Arbeit suchen. Hier wird also das Phänomen der Bildungsflucht als Misere der malawischen Gesellschaft offenbar.

Eine gut ausgebildete Jugend ist eine zentrale Voraussetzung für Entwicklung ebenso wie die Bekämpfung von Armut, Hunger und Krankheiten sowie von Korruption, die ja den Staat lähmt, gegen all diese Probleme effektiv vorzugehen.

Veraltete Bücher an der Chaminade Secondary School
Veraltete Bücher an der Chaminade Secondary School

Doch insbesondere wegen der stagnierenden Wirtschaft und geringfügigen Steuereinnahmen ist es dem Staat praktisch unmöglich, gute Bildung für alle zugänglich zu machen. Und selbst die vorhandenen Schulen verfügen trotz des hohen Schulgeldes nur über die nötigsten Ausstattungen und sind von den Standards europäischer Schulen um Welten entfernt. (Beispiel: Siehe Erstes Projekt Juli 2016, Chaminade Secondary School)
Ein Indikator für diese miserable Bildungssituation im Land dürfte der Anteil der Analphabeten sein, der bei 35,9% liegt³.

Teufelskreis der gesellschaftlichen Herausforderungen

Es wird deutlich: Malawi befindet sich in einem Teufelskreis: Ohne wirtschaftliches Wachstum haben einerseits die Menschen ein geringes Einkommen und der Staat geringe Steuereinnahmen. Die Menschen können sich mit dem geringen Einkommen selten Schulgelder leisten, der Staat mit den wenigen Einnahmen die Schulgelder nicht erschwinglicher machen. Dadurch ist die Bevölkerung schlechter ausgebildet und die Produktivität der Wirtschaft gering. Kurz gesagt: Ohne wirtschaftlichen Aufschwung: Kaum Geld, Kaum Bildung. Kaum Bildung: Kaum Produktivität, kein wirtschaftlicher Aufschwung.
In einem ähnlichen Schema hindert die fehlende Wirtschaftskraft und Armut den Ausbau der medizinischen Versorgung und verursacht gleichzeitig Korruption und Gier. Beides wiederum lähmt die Wirtschaft, wo sich erneut der Teufelskreis schließt.

Niels mit Schülern der Chaminade School
Wo können wir etwas ändern?

Die Jugend eines Landes ist die Zukunft eines Landes. An genau diesem Punkt kann also geholfen werden. Wie kann der Zugang zu Wissen und Bildung einerseits ausgeweitet und andererseits qualitativ verbessert werden und wie können die Berufsaussichten nach der Schule gesichert werden, damit die Investition Schule lohnenswert wird? Diese Herausforderungen motivieren auch die Arbeit des NextGenerationAfrica e.V. in Malawi.


  1. World Vision Deutschland e.V.: Statistik: Ein Vergleich: Malawi – Deutschland.  Abgerufen am 4.9.2016.
  2. Education Policy and Data Center: Malawi National Education Profile 2014 Update, Seite 1. Abgerufen am 4.9.2016.
  3. (siehe 1)